NEWS

Harvest of Art #1 – Indietanz durch den Schauer

Plakat: Harvest of Art Festival 2012

Im Sonnenschein gezeugt, unter heftigen Schauern geboren und SOLD OUT. Es sah so aus, als würde das erste Harvest of Art Festival das heißeste Festival des Jahres werden. Jedoch mussten nur Ginga und Robert Francis diese Hitze auf der Bühne durchstehen. Danach rollte ein Gewitter über Wiesen: Es brachte nicht nur Regen und Wind, sondern auch geladene Festivalstimmung unter den 8000 Festivalbesuchern und einem ausgestopften Huhn, die beim Auftritt von Mumford & Sons kumulierte und The Kooks wie einen Nebenact erscheinen ließ.

Bericht: YASMIN NOWAK

 

14:00 GINGA

Dass das Festival ausverkauft war, konnte man bei dem Auftritt des ersten Acts – GINGA – nicht erahnen. Anfangs standen die 100 – 200 Festivalbesucher noch still, doch der dynamischen Arroganz des Sängers Alex Konrad und dem Groove des Bassisten kann keiner lange trotzen. Nicht nur die Band ist nach ihrem Auftritt schweißgebadet, sondern auch das gesamte Publikum. Bei ihrer ersten Single „Fashion“ sangen sogar viele mit. Ein wenig enttäuschend, dass GINGA dieselbe Setlist wie am Donauinselfest präsentierte. „Einen letzten Song haben wir noch für euch“ heizt Alex das Publikum an. Die Zugaberufe am Ende des Konzertes überraschen wenig – erwidert wurden sie jedoch nicht. Dazu ist keine Zeit, der Soundcheck von Robert Francis drängt.

15:10 ROBERT FRANCIS

Etwas gefüllter war das Areal bei Robert Francis, der von Red Hot Chilli Peppers Gitarrist John Frusciante das Gitarrenspiel lernte. Robert Francis steht GINGA Emanuel Donner in Sachen Tonhöhe nichts nach. Emotional aufgeladen traf er die höchsten Töne perfekt. Die Festivalbesucher schenkten Robert Francis jedoch nicht die Aufmerksamkeit, die er und seine Band verdienen. Einige sitzende Lücken störten die begeisterte stehende Menge. Selbst bei „Some Things Never Change“, den Robert Francis ohne Band performt, stehen die Sitzer nicht auf. Die letzten Sonnenstrahlen, der letzte Song. Der Keyboarder verließ die Bühne ohne Cowboyhut.

16:30 WARPAINT

WARPAINT startete mit Donnergrollen. Kein Wetter könnte besser zu einem WARPAINT-Konzert passen als ein Unwetter. Die vier Frauen performten im Einklang mit Blitz, Donner, Regen und Sonne. Die meisten Festivalbesucher flüchteten unter das Zelt. Einige wenige blieben im Regen stehen. Kein Stillstand, Tanzen im Regen. Niemand saß mehr. Zum einen, weil kein Platz dazu war, zum anderen weil WARPAINT begeisterte. Festivalstimmung ab jetzt. Warm Up für Thees Uhlmann.

18:00 THEES UHLMANN & Band

Thees Uhlmann: Der Mann, auf den alle gewartet haben. Auch die Sonne, die sich kurz wieder zeigte.  Es scheint, als wären jetzt alle da. 8000 Ticketkäufer empfangen Thees Uhlmann, der die Menge mit Peacezeichen begrüßt, jubelnd. Berechtigte Vorschusslorbeeren! Der „älteste Newcomer der Welt“, wie er sich selbst bezeichnet, ist einfach Publikumsliebling. Seine Texte magnetisch. Bei jedem Song ein Publikumschor. Nur tanzen kann der Mann nicht wirklich, was den Unperfekten auch wieder sympathisch macht. Etwas unrhythmisch bewegte er sich zu seinen Songs. Dass Thees Uhlmann kein Raptalent ist zeigt er bei der Performance von „& Jay-Z singt uns ein Lied“ und „XOXO“, die er ohne Casper und Casper-Ersatz singt, was nicht richtig funktionieren wollte. „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ kam umso besser an. So gut, dass Thees Uhlmann & Band den Song als Zugabe wiederholten. Das Publikum wollte sie nicht ziehen lassen. Das Summen der ZLuSzdLdFh-Melodie verstummte sehr langsam. Doch auch ein Thees Uhlmann Konzert ist irgendwann zu Ende.

19:35 GLEN HANSARD

Thees Uhlmann-Fans lieben nicht nur Thees Uhlmann, sondern auch Glen Hansard. „Glan Hansard <3“ steht auf dem ersten und einzigen Schild einer Festivalbesucherin geschrieben. Der Ire liefert solide ab und bereitet die Menge musikalisch auf Mumford & Sons vor. „Falling Slowly“ bleibt Glan Hansard der Festivalcrowd schuldig.

21:15 MUMFORD & SONS

… der eigentliche Head. Das Festival war von der ersten bis zur letzten Sekunde in der Hand der Briten. Schon der zweite Song war „Little Lion Man“. Das Konzert war magisch – musikalisch und optisch. Absolut jeder wurde von der Mumford and Sons Magie ergriffen – einfach alles geben, in jeder Situation trotz allen Widrigkeiten. So wie Sänger Marcus Mumford, der trotz gebrochener Hand sich nicht nur mit seinem einzigartigen Gesang zufrieden gab, sondern auch Rasel und ein kleines Schlagzeug gleichzeitig spielte. Noch mehr als bei Thees Uhlmann wurde jeder Song von einem Publikumschor begleitet – Höhepunkt war dabei natürlich „The Cave“. Leider ist das Mumford & Sons Repertoire noch nicht so groß, leider waren nur eineinhalb Stunden Zeit und leider war das Konzert auch irgendwann zu Ende. Mit dem Ende des Konzertes verließ auch die Euphorie das Publikum. Die Menschenmenge wurde deutlich kleiner.

23:00 THE KOOKS

Luke Pritchard hatte von Beginn an große Mühe das von Mumford & Sons erschöpfte und kleinere Publikum aufzuwecken. Das Konzert war eher die Afterparty von dem vorigen Act, die Luke Pritchard mit viel Energieeinsatz zu beleben versuchte. Das Publikum zeigte erst bei der veränderten Akustikversion von „Seaside“ mühsame Lebenszeichen. Trotz eigentlich vieler alter Hits und wenig neuer Songs vom aktuellen Album konnte nicht dieselbe Dynamik entstehen wie bei Mumford & Sons. Daran konnte ein Luke Pritchard, der wie auf Koks wirkte, nichts ändern. Trotz geringer Publikumsnachfrage spielten sie eine Zugabe. Wäre auch seltsam gewesen, wenn sie das Harvest of Art verlassen würden, ohne ihre aktuelle Single „Junk of the Heart“ zu präsentieren.