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Rock im Park 2015: So war’s beim Jubiläum

Marilyn Manson, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Fast 80.000 Menschen, Sonne satt, jede Menge Top-Acts und eine Feier-Stimmung, die ihresgleichen sucht – das war Rock im Park 2015. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz: Auch Zwischenfälle, darunter ein Künstler, der von der Bühne stürzte, eine Evakuierung von 12.000 Menschen und überfüllte Wege, wusste das Nürnberger Festival zu meistern. Während der Ausnahme-Zustand langsam abklingt, werden schon die Tage bis zum ersten Juni-Wochenende 2016 gezählt.

Freitag, 05.06.2015

20 Jahre wurde Rock im Park am Wochenende alt, rund 90 Bands auf vier Bühnen machten die Jubiläums-Feier aus. Den Anfang machten am Freitag die Ruen Brothers auf der Zeppelin-Stage und Clutch auf der Park Stage. Langsam wieder reinkommen in die Festival-Stimmung, Kräfte sammeln und nur kurze Zeit später ging es auf dem Zeppelinfeld rund. Da wären zum Beispiel Godsmack gewesen, denen die Technik erstmal einen Streich gespielt hat. Das Mikrofon von Sänger Sully Erna blieb den ersten Song über still, doch die Kommunikation zwischen Band und Publikum ließ dieses Problem in Kürze verschwinden. Vom zweiten Song an dann voll dabei, sollte sich Stimmung der Besucher nur noch steigern. Ob beim Hautnah-Erlebnis mit Papa Roach, als Sänger Jacoby Shaddix sich kurzerhand in den Bühnengraben begab, oder beim vorgezogenen Auftritt von Frank Turner, der den Spot von Hozier einnahm, der krankheitsbedingt ausfiel – es wurde gesprungen, getanzt, gesungen.

Papa Roach, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Papa Roach, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Langsam aber sicher ging es auf die großen Namen des Tages zu. Aber vorher erst noch einmal Wasser tanken, denn es war heiß, heiß, heiß. Rock im Park und ein Haufen Sonne, das gehört zusammen, doch 2015 setzte der Wettergott noch einen drauf. Zusätzliche Wasserstellen, schön und gut, doch als den Getränkeständen dann eben jenes ausging, war das kontraproduktiv. Die Sanitäter hatten am Wochenende einiges zu tun – Kreislaufzusammenbrüche, Sonnenbrände und – stiche gab es leider doppelt so oft wie letztes Jahr. Aber so schnell lassen sich die Parkrocker nicht unterkriegen.

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Weiter ging es mit Turbostaat in der Arena, die zwar nicht den vollen Raum befüllen konnten, aber das verbliebene Publikum zum Mitsingen und Springen brachten. Verblieben? Ja, wo waren denn alle anderen? Zum Beispiel bei Parkway Drive auf der Parkstage oder bei den Beatsteaks auf der Zeppelinstage. Immer gern gesehen stimmten diese die Besucher mit ihrer abwechslungsreichen Setlist von „Jane Became Insane“ über „Cut Off The Top“ bis hin zu „Automatic“ auf das ein, was noch kommen sollte. Die Headliner des Tages waren nämlich keine geringeren als die Foo Fighters. Nicht nur die Besucher hatten Spaß, auch Dave Grohl hatte mehr als Bock auf den Park und gegen seinen Vorschlag zu spielen „until they kick us out“ hätte keiner etwas einzuwenden gehabt. Wären da nicht Slipknot gewesen. Nach dem Auftritt der Foo Fighters verlangten tausende Fans Einlass zur Parkstage, um eben jene zu sehen. Nur blöd, dass dort bereits Leute waren, so dass es zu Einlass-Sperren kamen. Schlechte Laune zog auf, verflog aber bald wieder.

Turbostaat, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Turbostaat, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Samstag, 06.06.2015

Der Samstag stand erst einmal unter keinem guten Stern. Eine Unwetterwarnung war für den Nachmittag angekündigt. Die gute Nachricht: Das Wetter blieb sonnig und heiß bis in den Abend hinein. Die schlechte Nachricht: In der Nacht auf den Sonntag kam es dann doch. Doch die Organisatoren waren vorbereitet: auf die Sicherheit der Besucher bedacht, wurden um die 20.000 Menschen evakuiert. Das Miteinander der Besucher war vorbildlich und ist der guten Atmosphäre zuzuschreiben.

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Und wie war der Festivaltag? Da hätten wir zunächst einmal die Donots, die die Besucher vor der Zeppelin-Stage aufweckten. Trotz der frühen Zeit war diese bereits ordentlich gefüllt und wurde mit dem Auftritt der Band aus Ibbenbüren belohnt. Nun kam langsam die Zeit, an der man sich entscheiden musste: A Day To Remember und Broilers? Oder Mighty Oaks und Tocotronic? So weit noch eine Frage des Geschmacks. Die Mighty Oaks, die erst letztes Jahr ihren Durchbruch feierten, zählen mit ihrer mitreißenden Live-Show zu den beliebten Festival-Acts. Auf Nachfrage an das Publikum, welchen Song sie denn hören wollten, hat Sänger Ian Hopper spaßeshalber den Bandkollegen Craig Saunders „gefeuert“, da dieser nach den Songwünschen den Kopf geschüttelt hat.

Mighty Oaks, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Mighty Oaks, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Im Anschluss betraten Tocotronic die Bühne, die bereits zum sechsten Mal zu Gast im Park waren. Länger als das Festival gibt es die Band auch schon, was sie gerne betonten. Bekannt für ihr Bühnenbild brachten sie einen glänzenden, silberen Bühnen-Banner mit, der zumindest die Aufmerksamkeit der Augen auf sich zog. Das Publikum reagierte gemischt auf die Hamburger, nahm sie aber zumindest als Vorboten für Clueso gut auf. Wenn da nur nicht wieder die Qual der Wahl wäre. Clueso und Marilyn Manson sollten die Parkstage an diesem Abend noch zum Beben bringen, aber die Zeppelinstage stand hier in nichts nach, ganz im Gegenteil. Dort brachten Rise Against und die Toten Hosen die Zuschauer in Ekstase.

Tocotronic, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Tocotronic, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Clueso brachte sich selbst, aber auch das Publikum ins Schwitzen. Sehr gut angenommen vom Crowd, sowohl von Frauen als auch Männern, lieferte er eine erstklassige Show ab und den Spaß, den er daran hatte, sah man ihm deutlich an. Mit im Gepäck sowohl neue Songs als auch die Klassiker wie „Chicago“ und der Hit „Gewinner.“ Die Zeit war nun gekommen, Auftritt Marilyn Manson. Der Schockrocker hatte von der ersten Sekunde an das Publikum auf seiner Seite, bescherte diesem aber auch einen gewaltigen Schrecken. Als er sich auf der Bühne nach vorne beugte, stürzte er in den Bühnengraben. Mit den Worten „Ich habe mir bestimmt das Bein gebrochen, aber das war es wert“ verabschiedete er sich.

Marilyn Manson, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Marilyn Manson, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Sonntag, 07.06.2015

Das Unwetter gut überstanden, starteten die Festivalbesucher mit Vorfreude in den letzten Tag. Trotz des Gewitters und Regens in der Nacht, sollte eine leichte Abkühlung erst gegen Abend kommen. Dem Wetter zum Trotz legten die Fans noch einmal richtig los. Zwei der Highlights des Tages bildeten Royal Republic und Slash auf der Zeppelinstage. Trotz der frühen Uhrzeit wurden die Schweden von Royal Republic gefeiert, jeder Song wurde von Klaschten begleitet. Neben ihren Hits spielten sie auch einen neuen Song, der sich „When I See You Dance With Another“ nennt. Diese Woche begeben sie sich ins Studio in Berlin, um ihr nächstes Album aufzunehmen. Zudem lieferten sie noch eine erheiternde Performance des Songs „Addictive“: „I’m addic, dic, dic, dic, dicted to you – Ich bin ein…..“

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Den Anschluss bildeten Interpol aus New York, die auf verhaltene Reaktionen stießen. Machte ihnen aber nicht viel aus, Sänger Paul sagte dem Publikum, dass er es „fucking great“ findet. Es wurde zunehmend voller und enger in den vorderen Reihen, groß erwartet wurde der Auftritt von Slash und Myles Kennedy & The Conspirations. Aber auch die Park Stage fand regen Zulauf, auch oder gerade weil am diesen Tag ein nicht gerade rockiges Programm anstand. Trailerpark, Prinz Pi, K.I.Z, Marisomoto und Deichkind gastierten dort. Obwohl doch immer wieder Stimmen laut werden, dass es „Rock“ im Park heißt, merkte man dem Crowd keinerlei Abneigung an. Ganz im Gegenteil, Prinz Pi hatte das Feld komplett in seiner Hand und brachte die Besucher dazu, selbst die für Hip-Hop-Konzerte typische Armbewegung mitzumachen. Einen neuen Song lieferte er als Gastgeschenk ab, „Weiße Tapete“ und eine Ansage dürfte besonders erfreut haben: „Das war besser als bei Rock am Ring.“

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Musik zum Anfassen – das boten Kraftklub. Während ihres Auftritts begaben sich die fünf Chemnitzer mitten ins Publikum und veranstalteten einen Crowdsurfing-Wettbewerb, eine „Erfindung ihrerseits.“ Einmal quer durch das Crowd ging es für die fünf zurück auf die Bühne. Und das war nur eines der Highlights ihrer Show: Bei Randale setzte sich kurzerhand fast das komplette Zeppelinfeld auf den Boden und wurde dazu aufgerufen ein Stück Müll in die Hand zu nehmen, es liege ja genug herum. Als dann „Randale“ gesungen wurde, sprangen alle auf und haben ihr Müllstück in die Luft geschmissen. Klingt vielleicht erstmal skurril, war aber ein Bild für die Götter. Humor haben sie, das bewies auch die Ansage: „Habt ihr Spaß soweit? Ja? Dann spielen wir jetzt einen Schlechte-Laune-Song.“ Zum Abschluss mit „Scheissindiedisko“ forderte Sänger Felix Brummer alle auf, ihr Oberteil auszuziehen und damit in der Luft zu wedeln. Wenn auch nicht alle, genug kamen diesen Aufruf nach.

Kraftklub, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Kraftklub, Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Als Headliner gab es The Prodigy zu bestaunen, viele der Besucher zog es aber in eine andere Richtung. Three Days Grace sollten die Alternarena bespielen, ein großes Highlight der Besucher. Das machte sich auch an den Einlassstops bemerkbar. Es ging nichts mehr, nur immer mal wieder kurz wurde die Security-Sperre gelöst. Nach Ansage der Security verlief das Ganze auch ordentlich und kameradschaftlich, so dass dann doch noch die meisten Three Days Grace erleben durften. Und was war das für ein Auftritt! Eine volle Arena ist eine Sache, eine volle mitmachende Arena noch einmal etwas anderes. Von oben bis unten und von vorne bis hinten gefüllt, stand selbst auf dem letzten Platz keiner still. Ob bei „Painkiller“, „I Hate Everything About You“ oder „Riot“ – für die Besucher gab es kein Halten mehr und selbst in den Pausen erfüllten „Three Days Grace“ Gesänge die Arena.

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Rock im Park 2015 (Photo: Christine Scharl / Festivalrocker)

Anhänger der härteren Musik-Richtung durften sich auf den Festival-Abschluss mit Hollywood Undead und Enter Shikari freuen. Ansonsten hätten wir da ja auch noch… Deichkind! Für ihre phänomenale Show bekannt, lieferten sie auch bei Rock im Park eine spitzen Leistung ab. Wir sagen Danke und freuen uns auf Rock im Park 2016, dann vom 03. bis zum 05. Juni!